Standortinfos

Die Wirtschaftsstruktur – ein Standort mit Tradition

Durch seine Lage am Rande der kohleführenden Schichten, dem Fehlen anderer wirtschaftlich bedeutender Bodenschätze und aufgrund der klimatischen Verhältnisse war der Landkreis St. Wendel in weiten Teilen von einer landwirtschaftlichen Nutzung geprägt.

Der Landwirtschaft nahestehende Handwerksberufe wie Schmied, Wagner oder Zimmerer gab es in allen größeren Dörfern.
Mit Beginn der Industrialisierung ab 1850 und der Ansiedlung der Stahlindustrie kam es zu einem deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung verbunden mit einem starken Bevölkerungswachstum. Viele Arbeitskräfte aus dem St. Wendeler Land pendelten zu den Schwerindustriestandorten und arbeiteten in den Eisenhütten oder „unter Tage“ - viele übten die ehemals hauptberufliche Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb aus.

Der Saarbergbau als Lokomotive des Aufschwungs beschäftigte zu Spitzenzeiten fast 60.000 Arbeitskräfte. Rund 250 Jahre lang war die Montanindustrie strukturprägend für das Saarland – Kohle, Eisen und Stahl waren nicht nur die Grundpfeiler der industriellen Revolution, sondern sie führten bereits sehr früh zu engen Verflechtungen innerhalb der Großregion. Die Stahl- und Kohlekrise seit Beginn der 70-er Jahre in den alten Industrierevieren hat zu radikalen Verminderungen der Produktionskapazitäten und – damit einhergehend – auch von Arbeitsplätzen geführt. Beschäftigten „Kohle und Stahl“ zu Spitzenzeiten mehr als 96.000 Menschen im Saarland, so waren es Ende 2005 gerade noch 18.000. Für September 2017 weist die amtliche Statistik für den Wirtschaftsabschnitt „Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden“ gerade noch 179 Beschäftigte landesweit aus.
In St. Wendel als zentralem Ort mit Marktfunktion gab es 6 Sammelzünfte: Gerber, Schumacher, Karcher (Fuhrleute und auch z.B. Wirte), Metzger, Schneider und Weber. Daneben entwickelten sich in der Stadt St. Wendel schon früh gewerbliche Strukturen durch Tabakfabriken, Ziegeleien, Tonwarenfabriken, Dampfsägewerke, Steinbrüche und Bierbrauereien. Ergänzt wurde diese Wirtschaftsstruktur durch Kleinbetriebe zur Herstellung von Tafelsenf, Kaffeeröstereien und der Fabrikation von landwirtschaftlichen Geräten.

Auch am Oberlauf der Prims entstand bereits im 16. Jahrhundert an mehreren Standorten eine vorindustrielle Form der Eisenverhüttung, die verschwand, als moderne Produktionstechniken die Verhüttung von Erzen bestimmten. Der Standort "Mariahütte" hat diese Entwicklung überdauert und ist heute noch immer ein bedeutender Produktionsort im Bereich der Metallverarbeitung.
Mit der wirtschaftlichen Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1959 musste auch der Landkreis St. Wendel den Anschluss an die bundesweite wirtschaftliche Entwicklung finden. Einen Rückschlag dieser Bemühungen brachte die Krise im Montanbereich zu Beginn der 70er Jahre.

Vor diesem schwierigen Hintergrund wurden durch gemeinsame Anstrengungen des Landes und des Landkreises Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur eingeleitet.
Durch eine konsequente Ansiedlungspolitik verbunden mit zielgerichteten Investitionen konnte eine anhaltende ökonomische Aufwärtsentwicklung eingeleitet werden.
Es gelang in der Folgezeit eine Reihe großer, renommierter Betriebe mit zukunftsorientierten Technologien anzusiedeln, die zusammen mit einer vielfältigen mittelständischen Wirtschaft und zahlreichen Handwerksbetrieben für ein ausgesprochen gutes Wirtschaftsklima sorgen.
Die ehemals weit verbreitete Landwirtschaft ist nur noch durch wenige Betriebe vertreten. Insgesamt kann von einer marginalen Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft gesprochen werden - allerdings verkennt dies die große Bedeutung für den Erhalt der Kulturlandschaft, die eine wichtige Grundlage für die positive Entwicklung im Tourismusbereich darstellt.
Besondere Bedeutung haben heute die Fertigungsbereiche Medizintechnik, Metallverarbeitung, Maschinenbau, Lebensmittelherstellung und Elektronik. Ein weiteres Strukturmerkmal ist das vielfältige Angebot an privaten und öffentlichen Dienstleistungen. Neben dem Fachhandel sind im Landkreis St. Wendel bedeutende Handels- und Einkaufszentren angesiedelt.

Aus einer Vielzahl erfolgreicher Unternehmen sollen im Folgenden einzelne Betriebe exemplarisch genannt werden, weil sie die jeweilige Branche beispielhaft repräsentieren.

Medizintechnik
Der Fresenius Konzern ist heute einer der weltweit führenden Gesundheitsdienstleister mit Produkten und Dienstleistungen für die Dialyse, das Krankenhaus und die ambulante medizinische Versorgung. Weltweit beschäftigt Fresenius rund 260.000 Mitarbeiter.
Das Produktionsprogramm im Werk St. Wendel umfasst die Herstellung von Dialysatoren und Beutelsystemen für die ambulante Dialyse. Innovationen aus St. Wendel werden weltweit von Tochterunternehmen und Lizenznehmern eingesetzt und verleihen damit dem „Technologie-Standort“ St. Wendel ein besonderes Gewicht innerhalb des Konzerns. Insgesamt wurden seit 1974 rund 650 Mio. € in den Standort St. Wendel investiert, davon alleine 380 Mio.€ in den letzten 10 Jahren. Investitionen in Höhe von rund 130 Mio. Euro (2013 – 2016) in ein neues Hochregallager, eine neue Produktionshalle sowie in zwei Gasturbinen zur Stromerzeugung sind ein klares Bekenntnis zum Standort St. Wendel. Auch für 2018/2019 sind weitere Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazitäten geplant. Mit rund 1.850 Mitarbeitern ist das Werk St. Wendel der größte Arbeitgeber des Landkreises.

Maschinen- und Anlagenbau
Ein weiterer bedeutender Arbeitgeber im Landkreis ist die zur Diehl-Gruppe Nürnberg gehörige Diehl Defence GmbH am Standort Mariahütte. Das Unternehmen ist seit mehr als 50 Jahren kompetenter Partner der Bundeswehr und internationaler Streitkräfte. Das Produktspektrum bietet Systemlösungen für die Luftverteidigung und umfasst Lenkflugkörper, Mittel- und Großkalibermunition für Heer, Luftwaffe und Marine, aber auch Überwachungs-, Schutz- und Trainingssysteme für militärische Anwendungen. Insgesamt arbeiten rund 350 Menschen am Standort Mariahütte.
Auch die HIL – Heeres-Instandsetzungs-Logistik GmbH in St. Wendel mit rund 600 Mitarbeitern, davon allein 132 Auszubildende, ist ein bedeutender Arbeitgeber und Vertreter im Bereich der Wehrtechnik.
Die Firma Schneider Werk St. Wendel GmbH ist seit 1960 im Maschinen- und Stahlbau tätig. Rund 60 Facharbeiter stellen, unterstützt von einer eigenen Konstruktions- und Entwicklungsabteilung unter Einsatz modernster Technologien, Maschinen und Anlagen für die Industrie sowie Sondermaschinen und Automaten her. Mit dem Rückgang im Steinkohlebergbau wurden neue Absatzfelder gesucht: heute sind es schwerpunktmäßig die Automobilindustrie und der Umweltschutzbereich.

Hier wären eine Reihe weiterer Betriebe zu nennen, die aufgrund ihrer Tätigkeit überdurchschnittliche Entwicklungschancen bieten. Sie bilden wegen ihrer Innovationspotentiale eine der strukturellen Stützen unserer heimischen Wirtschaft.

Stahl- und Leichtmetallbau
Die Firma Hörmann KG, als international tätiges Unternehmen, ist im Landkreis St. Wendel mit zwei Betriebsstätten vertreten. DieHörmann Gruppe besteht aus selbständigen Werken, die sich jeweils auf einzelne Produktbereiche spezialisiert haben. Die Hörmann KG Eckelhausen produziert Haustüren aus Kunststoff und Aluminium, Vordächer sowie großflächig verglaste Feuer- und Rauchschutzabschlüsse. Die Produktpalette im Werk Freisen umfasst die Fertigung von Türen, insbesondere Feuerschutztüren, Sicherheits- und Rauchschutztüren sowie Schallschutztüren.
Insgesamt arbeiten an den beiden Standorten rund 1.000 Beschäftigte.

Elektronik und Elektrotechnik
Im Bereich der Erzeugung elektronischer Produkte ist besonders das Unternehmen MUSIC & SALES im Industriegebiet "West" in St. Wendel zu nennen.
Als eine der wenigen innovativen deutschen Firmen der Beschallungstechnik, konnte sich das Unternehmen auch international etablieren – in rund 55 Länder werden die hoch innovativen Produkte exportiert.
Music & Sales hat sich mit qualitativ hochwertigen Produkten und einer erfolgreichen Vermarktungsstrategie zu einem bundesweit führenden Unternehmen dieser Branche entwickelt. Insgesamt arbeiten rund 200 Fachkräfte am Standort St. Wendel.

Nahrungsmittel
Als Produzent aus dem Bereich Nahrungs- und Genussmittel hat sich die Firma Nestlé Wagner GmbH aus kleinen Anfängen innerhalb kurzer Zeit zu einem der Marktführer von Tiefkühlprodukten entwickelt. Mit einem Marktanteil von rund 35 Prozent bei Tiefkühlpizzen ist Wagner nach Oetker der zweitgrößte Anbieter in Deutschland.
Nach der Beteiligung von Nestlé Deutschland konnte über die Nutzung der Vertriebswege sowie des Marketing-Know-hows des Nestlé-Konzerns vor allem der Auslandsmarkt weiter ausgebaut werden. Die Nestlé Wagner GmbH gehört seit 2013 zu 100 % zur Nestlé Deutschland AG.
Durch die aktuellen Investitionen von rund 50 Mio. € in eine neue Fertigungsanlage will das Unternehmen seine Pizza-Produktion von rund 280 Millionen auf 350 Millionen Stück im Jahr erhöhen.
Die Investition bedeutet zudem eine Arbeitsplatzsicherung für die rund 1.800 Mitarbeiter am Standort Nonnweiler-Otzenhausen.

Handel und Dienstleistungen
Ein besonderes Strukturmerkmal stellt auch das hervorragende Angebot an Einrichtungen des Handels sowie der privaten und öffentlichen Dienstleistungen dar.
Bedeutende Handels- und Einkaufszentren, wie die Globus Handelshof St. Wendel GmbH und die Globus Koordination für alle bundesweiten Fachmärkte mit rund 1.750 Beschäftigten, sind neben den vielfältigen kleinen Geschäften des Einzelhandels und kleinerer Supermärkte im Landkreis St. Wendel entstanden. Eine große Zahl weiblicher Arbeitskräfte findet hier eine Beschäftigungsmöglichkeit.
Im Bereich der gewerblichen Dienstleistungen soll stellvertretend für eine Reihe anderer Unternehmen die bundesweit operierende Firma Larosé Hygiene Service GmbH genannt werden. Seit der Gründung 1977 hat sich die Firma Larosé zum Branchenführer im Bereich der Mietberufsbekleidung entwickelt.
Mit Standorten in Berlin, Dresden, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig und seit 1997 auch im Gewerbegebiet Nonnweiler-Otzenhausen bietet die Firma Larosé ihren Service in der gesamten Bundesrepublik und in den europäischen Nachbarländern.
Die Produkt- und Dienstleistungspalette umfasst den Berufsbekleidungs-Mietservice, die Hotel- und Gastronomiewäsche, die textile Krankenhausvollversorgung sowie den Waschraumhygiene-Mietservice. Die Larosé-Gruppe beschäftigt am Standort Nonnweiler-Otzenhausen rund 200 Mitarbeiter, bundesweit sind es über 2.000 Personen.

Handwerk
Die Wirtschaftsstruktur des Landkreises wird auch durch die vielen kleinen und mittleren Betriebe des Handwerks unterschiedlicher Branchen geprägt, die in allen Gemeinden des Landkreises St. Wendel zu finden sind und wertvolle Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Mit rund 1.100 Betrieben weist der Landkreis St. Wendel die höchste Dichte an Handwerksbetrieben im Saarland auf.
Insgesamt beschäftigt das Handwerk mehr als 6.000 Menschen, davon rund 500 Auszubildende. Schlüsselbranchen im Handwerksbereich sind das Bau- und Ausbaugewerbe sowie der Metall- und Maschinenbau.

Tourismus
Das St. Wendeler Land ist seit mehr als 30 Jahren die bedeutendste Tourismus-Region des Saarlandes. Gäste aus dem In- und Ausland finden eine Fülle von Freizeit-, Kultur- und Erholungsangeboten.
Der Bostalsee als größter Freizeitsee in Südwest-Deutschland verzeichnet rund 800.000 Besucher (Tagesgäste, wie z.B. Badegäste, Wanderer, Radfahrer) jährlich.

Der positive Trend der letzten Jahre setzte sich nicht zuletzt durch den Center Parc auch in 2016 weiter fort – und dies auf dem hohen touristischen Niveau. Der Tourismus, mit mehr als 7.500 Arbeitsplätzen, wird auch künftig ein starker Wirtschaftsfaktor für unsere Region sein. Mit rund 945.000 Übernachtungen pro Jahr schöpfen die vorhandenen Einrichtungen das große Potenzial in der Region bereits jetzt optimal aus. Prognosen gehen davon aus, dass durch die neue „Seezeit Lodge“ die Millionengrenze bei den Übernachtungen erreicht wird. Die Nettowertschöpfung durch den Tourismus liegt im Landkreis bei rund 200 Mio. Euro. Damit liegt der Landkreis St. Wendel auch bei den touristischen Übernachtungs- und Gästezahlen an der Spitze der saarländischen Landkreise.
Mit dem Center Parcs „Park Bostalsee“ erfolgte die größte touristische Leitinvestition im Saarland in den letzten Jahren (130 Mio. €) -  Eröffnung des Freizeitparks war am 1. Juli 2013. Im Jahr 2016 wurde der „Park Bostalsee“ ausgezeichnet - unter allen Center Parcs erreichte er den größten Zufriedenheitsgrad bei den Gästen.
Neben den Übernachtungsgästen besuchten zusätzlich über 60.000 Tagesgäste den Park, der mit seinem „offenen Konzept“ sein vielfältiges Angebot auch für Kurzzeit-Besucher vorhält – wie Analysen zeigen, profitieren auch Gewerbetreibende und Gastronomen unserer Region von den hohen Besucherzahlen.

Der Tourismus beschränkt sich im Landkreis nicht nur auf den Bostalsee. Neben den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und der reizvollen Landschaft tragen vor allem die sportlichen Großveranstaltungen der Kreisstadt St. Wendel dazu bei, dass Gäste ins St. Wendeler Land kommen.
Die gute Entwicklung im St. Wendeler Land hat mit dazu beigetragen, dass das Saarland nach wie vor einen Spitzenplatz im Ranking der bundesdeutschen Tourismusentwicklung einnimmt.